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Wenig Wolken, viel Sonne – die Intersolar 2011

7:15 Uhr. Ankunft München Flughafen. Regen. So begann der Tag auf der Intersolar 2011, die vom 8.-10. Juni in München stattfand. Das Aprilwetter sollte den ganzen Tag anhalten. Zu diesem Zeitpunkt sah es auch in der deutschen Energiepolitik nach Aprilwetter aus. Insbesondere die Solarindustrie musste mit deutlichen Einschnitten in punkto Einspeisevergütung rechnen.

Zu ihrem 20jährigen Jubiläum erlebten die Besucher der Intersolar Europe 2011 eine Messe, die eine wahrhaft „erwachsene“ Industrie präsentierte. Wer eine Dekade zuvor die Intersolar besuchte, konnte wohl kaum diese dynamische Entwicklung vorhersehen. Standdesign, Marketing und Kommunikation auf höchstem Niveau prägten das Bild auf 168 000 qm Ausstellungsfläche. Die Branche hat im Vergleich zu vielen etablierten Unternehmen des Energiesektors gelernt, mit den Kunden und Bürgern zu kommunizieren und klare Markenkerne aufzubauen. Dies hilft ihr heute dabei, unter unterschiedlichen Marktbedingungen erfolgreich zu bestehen.

Das ist deshalb so wichtig, weil die Geschäfts- und Marktentwicklung (nicht nur) in Deutschland direkt von den politischen Rahmenbedingungen, ausgehend vom Erneuerbaren Energien Gesetz (EEG), abhängig ist. Unter solchen Bedingungen wäre zu erwarten, dass Unternehmen ihre Ressourcen primär in Lobbying-Maßnahmen einsteuern. Dies war und ist in der Solarindustrie nicht der Fall, wie in München zu erkennen war.

Die Intersolar 2011 verdeutlichte einmal mehr den massiven Bedeutungszuwachs asiatischer und chinesischer Hersteller.

Diese Entwicklung findet sich auch in der politischen Auseinandersetzung um die Solarindustrie wieder. Nicht nur Kosten- und Wettbewerbsvorteile chinesischer Hersteller werden kritisch betrachtet, sondern auch die mit der EEG-Umlage verbundenen Geldströme an asiatische Hersteller. Gerne möchte man die gerade entstandene heimische Industrie schützen und fürchtet langfristig einen Legitimationsverlust bei den deutschen Verbrauchern, die als Stromkunden die erneuerbaren Energien fördern. Eine populistische Argumentation, die für das Exportland Deutschland wohl kaum nachhaltig Bestand haben dürfte.

Aprilwetter kann heute als Bild der deutschen Energiepolitik der vergangenen zwölf Monate gelten. Die atemraubende Kehrtwende in der deutschen Atompolitik wird sehr lange nachhallen. Die mit dem Ende Juni im Bundestag beschlossenen Atomausstieg verbundenen politischen, gesellschaftlichen und ökonomischen Kosten sind strukturprägend und kaum reversibel.

Am gleichen Tag hat der Bundestag auch die zukünftigen Entgelte und Rahmenbedingungen für die Erneuerbaren Energien beschlossen. So sind die schlimmsten Maßnahmen, wie die diskutierte Einführung eines „Deckels“ in der Solarförderung ausgeblieben, und auch die Kürzungen fielen weniger deutlich aus als befürchtet. Es ist aber auch deutlich geworden, dass die Verteilungskonkurrenz zwischen den Erneuerbaren zunehmen wird, während politisches Gewicht verloren zu gehen droht. Das politische Aprilwetter werden aber auch Vertreter der „fossilen Energieindustrie“ weiter genießen können, da auch hier die neue Energiestrategie der Bundesregierung in ihrer Umsetzung taktischen Überlegungen unterworfen wird.

Der Tag auf der Intersolar jedenfalls endete mit Sonnenschein und schönen Aussichten für die kommenden Tage.

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